Flatten the Curve!

Bienen auf einer vollverdeckelten Drohnenbrutwabe

Im Laufe der Corona-Pandemie haben wir alle viele neue Begriffe gelernt, mit der das aktuelle Infektionsgeschehen beschrieben werden kann, wie die 7-Tage-Inzidenz, R-Wert und exponentielles Wachstum. Letzteres trifft auch für den aktuell größten Feind unserer Honigbiene zu: Die parasitäre Varroamilbe Varroa destructor vermehrt sich in der Brut unserer Bienen und ernährt sich dabei von den Bienenlarven. Dabei kann sich deren Anzahl während der Brutperiode jeden Monat mehr als verdoppeln, wodurch aus einer Milbe Anfang März leicht 100 Milben im Oktober entstehen können.

Mitte/Ende Juni beginnt nun oftmals die entscheidende Phase im Kampf gegen die Varroamilbe, da um die Sommersonnwende (21. Juni) die Völker ihre Maximalgröße erreichen und langsam ihre Brutaktivität reduzieren. Gleichzeitig vermehrt sich die Varroamilbe immer noch exponentiell weiter, wodurch im Verhältnis immer mehr und mehr Milben pro Bienen im Volk leben. Deshalb ist es nun entscheidend das Auftreten der Varroamilbe im Blick zu behalten. Sehr leicht funktioniert dies mit einem Gitterboden, bei dem Wachskrümmel, Pollenreste, etc. und auch tote Milben durch ein Gitter am Boden des Volkes in eine Kontrollschublade fallen. Wichtig ist bei dieser Methode, dass Bienen und v.a. Ameisen nicht an den Kontrollschieber gelangen und Milben „davontragen“. Bewährt hat sich hierfür auf dem Kontrollschieber ein pflanzenölgetränktes Küchenpapier auszubreiten. Über einen Zeitraum von 3-7 Tagen wird im Anschluss ausgezählt, wie viele Milben im Schnitt pro Tag abgefallen sind und somit die Milbenlast abgeschätzt. Anfang Juli sollten nicht mehr als 5 Milben/Tag abfallen. Fallen bereits mehr als 10 Milben/Tag ist die Schadschwelle erreicht und es muss unbedingt sofort gehandelt werden, indem das Volk zum Beispiel mit Ameisensäure behandelt wird, oder die komplette Brut des Volkes entnommen wird.

Über die Entnahme von Brut kann auch schon ab April versucht werden, die Entwicklung der Varroamilbe zu bremsen. Dies kann zum einen durch die Bildung von Sammelbrutablegern erfolgen, oder auch durch die Entnahme von Drohnenbrut. Dadurch dass die Drohnen länger in der Entwicklung brauchen und größer als Arbeiterinnen sind, werden die Drohnenlarven häufiger von Ammenbienen gefüttert und dadurch auch häufiger mit Varroamilben „infiziert“. Durch die längere Entwicklungszeit der Drohen hat die Milbe zusätzlich auch noch die Möglichkeit mehr Nachkommen zu erzeugen, als in Arbeiterinnenbrut. Für diese Methode verwendet man ein ungedrahtetes Rähmchen („Baurahmen“) in dem die Bienen meist sofort eine Wabe mit größeren Zellen für Drohnenbrut bauen. Sobald die Wabe mit Drohnenbrut zum Großteil verdeckelt ist, wird die Brutwabe entfernt (ausgeschnitten) und das Rähmchen erneut eingehängt. Wird dieses Verfahren drei- bis viermal hintereinander im April-Juni angewendet, kann die Varroalast im August um mehr als die Hälfte verringert werden – Flatten the Curve!

Bald geht’s rund in unseren Völkern!

Flugbetrieb am Bienenstand

Am Ostermontag wurden in München die ersten Birkenpollen registriert – ein klares Zeichen für den Beginn des Vollfrühlings. Die Bienenvölker haben in den vergangen warmen Tagen begonnen große Brutnester anzulegen. Diese Entwicklung wurde aber durch die wiederholten Wintereinbrüche im März und Anfang April immer wieder gebremst. Für die Völker ist dies eine herausfordernde Zeit, da sehr viel Energie/Futter benötigt wird, um die angelegte Brut zu wärmen. Nicht umsonst passieren die meisten Völkerverluste bei solch wechselhaften Wetter zu Frühjahrsbeginn – der gefürchtete Futterabriss.

Diese Phase wechselhaften Wetters scheint jetzt allerdings überwunden zu sein und der Frühling kommt unaufhaltsam. In Rott blühte am Samstag, 10. April bereits der erste Löwenzahn. Wie so häufig in den letzten Jahren stellt sich jetzt aber die Frage ob unsere Bienenvölker bei der aktuellen Entwicklung in der Pflanzenwelt mithalten können und viel Frühtrachthonig geerntet werden kann. Das Wetter der nächsten Tage wird darüber entscheiden.

Als Imker wird es jetzt Zeit in den Völkern den nötigen Platz für die weitere Entwicklung der Bienenvölker zu schaffen. Der Königin muss jetzt viel Platz für die Eiablage gegeben werden, damit sich das Volk stark entwickeln kann. Dazu können übrige Futterwaben jetzt bis auf eine kleine Reserve durch ausgebaute Leerwaben ersetzt werden, die an den Rand des Brutnests gehängt werden. Andernfalls entsteht durch frisch eingetragenen Pollen und Nektar eine Konkurrenzsituation um den noch freien Platz und die Volksentwicklung wird gehemmt. Bei starken Völkern kann demnächst auch der Drohnenrahmen an den Rand des Brutnests eingehängt werden als Falle für Varroamilben und um Drohenwildbau auf den Brutwaben zu vermeiden.